Beschreibung des Schulversuchs: Volksschule für Kinder mit Teilleistungsschwächen

Seit dem Schuljahr 1997/98 wird am SPZ Hall der Schulversuch „Volksschule für Kinder mit Teilleistungsschwächen“ durchgeführt. Der Schulversuch beginnt mit der 1. Schulstaufe und soll über alle 4 Volksschuljahre fortgeführt werden. Es werden hier Kinder mit durchschnittlicher Intelligenz, die jedoch in Teilbereichen der Wahrnehmung Schwächen haben, betreut. Zugewiesen werden die Kinder auf Grund eines  schulpsychologischen Gutachtens der schulpsychologischen Beratungsstelle. Die psychologische Untersuchung erfolgt über Empfehlung der Schule auf Wunsch der Eltern.

Der Unterricht richtet sich nach dem Lehrplan der Volksschule, zudem  wird versucht, die Wahrnehmungsdefizite dieser Kinder zu behandeln. Dafür sind über alle 4 Jahre der Grundschule zusätzliche Unterrichtsstunden vorgesehen, sodass sich die Wochenstundenanzahl um jeweils 2 Unterrichtsstunden erhöht.

In der Praxis bedeutet das, dass täglich 20 Minuten für ein spezielles Wahrnehmungstraining zur Verfügung stehen. Eine weitere Vertiefung erfolgt im Rahmen des Förderunterrichts. Natürlich -  das sollte an erster Stelle genannt werden - erstreckt sich die Wahrnehmungsförderung wie ein Unterrichtsprinzip über alle Fächer. Es wird ständig auf die Schwierigkeiten dieser Kinder, auf sich anbietende Kompensationsmöglichkeiten, auf zusätzliche Trainingsmöglichkeiten und auf die Einbeziehung aller Sinne geachtet.

Unterstützt wird der Unterricht durch die Arbeit am Computer. Zum Einsatz kommen einerseits Textverarbeitungsprogramme, andererseits spezielle Programme, die für den Bereich des Wahrnehmungstrainings gerade multimedial einige Möglichkeiten bieten.

Da fast alle Kinder auch im Rahmen des Unterrichts logopädisch betreut werden müssen und auch zum Teil massive Verhaltensauffälligkeiten zeigen, ist die Klassenschülerzahl  auf 10- 15 Schüler beschränkt; so kann man  intensiv auf die Probleme der Kinder eingehen.

Durch das gemeinsame Üben empfinden die Schüler ihre individuellen Schwierigkeiten nicht als persönlichen Makel. Die Gruppe hilft auch dort, wo es manchmal monoton, anstrengend‚ demotivierend wird. Frustration und Stress werden vermieden, da die Schwierigkeiten dieser Kinder erkannt und entsprechend therapiert bzw. kompensiert werden können.

Im Laufe der 4 Jahre sollen alle Bereiche der Wahrnehmung sukzessive durchgearbeitet werden. Auf mehreren Ebenen werden Übungen angeboten, die die optischen, die akustischen, die seriellen, die taktil- kinästhetischen Bereiche abdecken.

1. Halbjahr der 1. Schulstufe

Im ersten Halbjahr der 1. Schulstufe wurde einerseits die optische Figur- Grund- Differenzierung geübt, zum anderen erfolgte eine Schulung im taktilen Bereich. In beiden Bereichen konnten die Schüler durch das tägliche Training merkliche Verbesserungen erzielen, was im regulären Unterricht eine wesentliche Erleichterung beim Erlernen der Kulturtechniken zur Folge hatte. Die Übungen im Bereich der optischen Figur- Grund- Differenzierung konnten im Klassenverband von allen Schülern gemeinsam erledigt werden. Im taktilen Bereich arbeiteten die Schüler nur unter individueller Führung. Zudem war für alle Schüler auch Zeit bei Lernspielen am Computer ihre gewonnenen Fähigkeiten zu festigen.

2. Halbjahr der 1. Schulstufe

Im 2. Halbjahr der 1. Schulstufe wurden in täglichen Übungen Körperschema und Raum- Wahrnehmung trainiert, um die Schüler beim Erwerb von Lesen , Schreiben und Rechnen zu stützen. Im Bereich der akustischen Differenzierung lag der Schwerpunkt beim Erkennen und Orten von Lauten innerhalb von Wörtern und Pseudowörtern. Das Diskriminieren von Lauten ist wesentliche Voraussetzung für das Erlernen des Lesens und Schreibens.

2. Schulstufe

Auf der 2. Schulstufe wurden die Übungen der phonematischen Differenzierung fortgesetzt, die Lokalisation der Laute auch in Bezug auf andere Laute musste von den Schülern angegeben werden. Besonderer Wert wurde auch auf das Lesetraining gelegt; ein aufbauender Lesekurs trug den Schwierigkeiten der Kinder Rechnung  und motivierte die Schüler auch besonders. Die Lesetexte wurden verschieden gestaltet und aufbauend nach Schwierigkeitsgrad vorgegeben. Bei den Lesetexten, wie auch bei den Diktattexten war anfangs die Beschränkung auf lauttreue Wörter wichtig. Eine zusätzliche Vertiefung erfolgte durch ein Segmentationstraining von Wörtern: zuerst auf der Laut- Buchstaben- Ebene, dann auf der Ebene der Konsonantenverbindungen, auf der Ebene von Silben, von Signalgruppen und von Morphemen.
Ein spezielles Trainingsprogramm wurde zur Verbesserung der Serialität, also zur Abfolge von Bewegungen, absolviert.

3. und 4 Schulstufe

Auf der 3. und 4. Schulstufe sollen Textanalyse und Semantik im Vordergrund stehen; optische und akustische Merkfähigkeit werden weiterhin besonders geschult. Alle Lernsequenzen sind aufbauend strukturiert, alle Förderprogramme sind langfristig konzipiert, denn nur so kann ein nachhaltiger Effekt erzielt werden.

Eine persönliche Bemerkung : rückschauend auf die Erfahrungen der ersten beiden Jahre kann ich feststellen, dass sich diese besonders betreuten Kinder sowohl bezüglich ihrer Leistungen als auch bezüglich ihres Verhaltens sehr positiv entwickelt haben. Derartige Rückmeldungen erhalte ich auch von ihren Eltern.

VL Elisabeth Sonnweber, 2. Klasse